Unser Verein, unsere Geschichte

Gegründet wurde der »Freiweg« am 31. Oktober 1927 von Helli Knoll, Jutta von Pressentin und Hilde Kögel, nachdem diese bei der Suche nach einer Abteilung für Frauenrudern in den bestehenden Vereinen keinen Erfolg hatten. Noch am selben Tag startet der Verein mit 14 Mitgliedern sein junges Ruderleben.

FRVF_GeschichteIm Zuge unermüdlicher und klassischer Pionierarbeit leitete Helli Knoll gemeinsam mit Ihren Kameradinnen, damaligen Fürsprechern und Wegbegleitern den »Freiweg« und brachte ihn mit viel Fleiß und Geduld in das Bewusstsein innerhalb und außerhalb der Frankfurter Ruderwelt. Beharrlich erarbeite sich der »Freiweg« so seinen festen Platz auf dem Main. Irmgard von Opel gewährleiste durch ihre Hilfe die Anschaffung von Booten, die der Verein aus eigenen Mitteln niemals hätte finanzieren können. Ebenso hilfreich erwies sich Dr. Herbert Hänel, der die Frauen durch seine langjährige Arbeit als Trainer unterstützte.

Fand der Verein zunächst zur Miete Unterschlupf im Bootshaus »Lützenberg« am ehemaligen »Nizza«, wechselten die Frauen 1957 auf das Hausboot »Schäfer«, welches auf der Sachsenhäuser Seite nahe der heutige Friedensbrücke lag. Bis zur Einweihung des gegenwärtigen Vereinsheimes in Niederrad, im Jahr 1968, waren die Frauen stolze Besitzerinnen dieses Hausbootes, welches für sie einen wichtigen Treffpunkt darstellte.

Während Rudervereine in Deutschland für Männer schon seit den 1850er Jahren zum sportlichen Alltag gehörten, waren Frauen lange ungern im Boot gesehen. So entstanden vereinzelt reine Frauen-Rudervereine. Beginnend in Berlin (1901) vollzog sich langsam das Entstehen derselben bis nach Mitteldeutschland. Hier ist der »Freiweg« noch heute der südlichste Frauen-Ruderverein Deutschlands.

Wander- und Stilrudern waren die ersten und einzigen Rudergattungen, die Frauen zunächst zugestanden wurden. Bis das Rennrudern in Skullbooten für Frauen Anerkennung fand, sollte noch viel Wasser den Main herunter fließen.

1929 schrieb der Frankfurter Regattaverein ein erstes Damenrennen aus. 
Die erste internationale Regatta auf der Frauschaften die Gelegenheit bekamen, sich im Wettkampf zu messen, fand 1931 in Luzern statt. Freiweglerinnen gehörten hier zu den ersten deutschen Teilnehmerinnen im Ruderwettkampf.

Friedel HaackFriedel Haack sei an dieser Stelle erwähnt. Sie konnte 1941 die in Berlin ausgetragene Deutsche Meisterschaft im Frauen-Einer für sich entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt ruderte sie allerdings kurzzeitig unter der Flagge der Post-Sportgemeinschaft Frankfurt/Main. Als erste Frau legte Friedel im DRV die Prüfung als Ruderlehrgangsleiterin, Punktrichterin für Stilruderwettbewerbe und Schiedsrichterin auf Regatten ab.

1937 trat Martha Gumbrecht in den »Freiweg« ein. Nicht nur um zu rudern, sondern auch, um sich für den Rudersport zu engagieren. Nach zwölfjähriger Arbeit als Schriftführerin an Helli Knolls Seite, übernahm sie 45 Jahre lang den Vorsitz des »Freiweg« und zwölf Jahre den Vorsitz beim Hessischen Ruderverband (HRV). Martha wurde zudem Ehrenmitglied im DRV und eine sportpolitische Größe in Frankfurt. Sie erhielt das Bundesverdienstkreuz am 21.Mai 1982 sowie den Lu-Röder Preis. Ihr verdankt der »Freiweg« u.a. sein heutiges Vereinshaus (Einweihung 1968) und das Gelände am Niederräder Mainufer.

1948 kam es im »Freiweg« zu einer ersten Öffnung für Männer, die ab diesem Zeitpunkt als passive Mitglieder aufgenommen wurden. Die Entwicklung vom reinen Frauenverein hin zu einem Familienverein, in dem Söhne wie Ehemänner mit ihren Frauen in einem Verein bleiben konnten, nahm so ihren Lauf. Seit 1968 rudern Männer auch aktiv im Freiweg, durften aber zunächst keine Rennen fahren. Eine Ausnahmeregelung für das biologische männliche Geschlecht bestand lediglich für Jungen bis 14 Jahre. Erst ab der Jahrtausendwende dürfen auch Männer für den »Freiweg« bei Regatten starten.

Dennoch bleiben Frauen und Mädchen die primäre Zielgruppe des »Freiweg«, ganz nach den sportlichen Wünschen und dem Motto unserer Gründungs- und Pionierfrauen: „Die Mädscher müsse uffs Wasser!“

Obwohl wir kein reiner Frauen-Ruderverein mehr sind, ist die Bezeichnung in unserem Vereinsnamen erhalten geblieben und steht für die Förderung der Frauen und Mädchen im Rudersport. Der Tradition und „Vereins-Philosophie“ entsprechend geben auch im Vorstand die Frauen den Ton an und stellen den Großteil des Gremiums – inzwischen hat aber auch bei uns natürlich die Emanzipation Einzug gehalten mit einem Mann im geschäftsführenden Vorstand.