Rund um Berlin: Große „Freiweg“-Wanderfahrt im August 2019

Vom 3. – 10. August 2019 war es wieder einmal soweit. Die mittlerweile zur Tradition gewordene lange Wanderfahrt des „Freiweg“ führte uns rund um Berlin. Das Organisationstermin war unentschieden: Thomas wollte raus in die Landschaft, Hilmar und Martin entschieden sich für mehr Stadt. Unser Kompromiss war diese Tour: viel urbane Industrielandschaften, viel Landschaft außerhalb der Stadt und einiges an Großstadt einmal von „unten“ betrachtet.

Bootstechnisch entschieden wir uns für das – bereits  vor 3 Jahren erprobte und erfolgreiche Modell – „Rund um Sorglospaket“ von Peter Straach von der Rudergemeinschaft Grünau. Peter organisierte für uns 4 gesteuerte Vierer: 2 davon Oldtimer mit Baujahr 1936. Die Oldtimer erfreuten sich übrigens großer Beliebtheit: wenn einmal angeschoben, liefen sie super ruhig. Die 2 anderen Boote haben wohl in den 90ziger Jahren das Licht der Welt erblickt und ließen sich auch gut rudern. Vielen Dank Peter! Wir übernahmen die Boote am Sonntag morgen und dann gings los.

Es war eine Tour durch geschichtsträchtiges Gebiet. Vor der Wiedervereinigung wäre eine solche Tour unmöglich gewesen. Es ging abwechselnd von Ost nach West und wieder nach Ost und West….

Unsere erste Tagesetappe führte uns von Grünau (Ost) vorbei an der Regattastrecke der Olympiade 1936 in den Teltowkanal. Mittagspause im Hafen Tempelhof (West). Weiter gings nach Klein-Machnow (Ost). Kurz noch durch die Schleuse in Klein-Machnow und unser erstes Tagesziel war erreicht: der Ruderclub Kleinmachnow-Stahnsdorf. Der Verein hat es nicht wirklich leicht, seit Jahren versuchen sie eine Genehmigung für den Bau eines richtigen Anlegers zu bekommen, leider vergeblich. So müssen 2 Pontons herhalten – etwas beschwerlich, aber ok. Übernachtung dann im NH Potsdam Conference Center. Für die Location des Abendessens zeichnete dann Kirsten verantwortlich. Es war eine gute Wahl, ein Italiener in fußläufiger Entfernung. Wein, Antipasti und Hauptgang sehr gut. Als Überraschungsgast hat uns Kirsten am Nachbartisch unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier organisiert. Wir haben ihn aber in Ruhe gelassen und ignoriert. Er uns aber auch…..

Der nächste Morgen begann dann beim Frühstück mit einer unliebsamen Überraschung: Tina und Gloria wurden um Handtasche und Portemonaie erleichtert. Scheint im Hotel wohl an der Tagesordnung zu sein, dass die Gäste immer wieder mal beklaut werden….. Achselzucken des Hotelpersonals, man kennt die Tatsachen, kann aber nichts machen – oder will es einfach nicht.

Rudertechnisch ging es weiter den Teltowkanal, Stölpchensee Richtung Wannsee. Kurzer Stopp beim Frauenruderverein Wannsee, vorbei am Haus der Wannseekonferenz – dort wurde die „Endlösung“ für die Juden in Deutschland und Europa beschlossen – und weiter zur Mittagspause an der Heillandkirche in Sacrow. Nach der Mittagspause ging es weiter unter der Glienicker Brücke durch Potsdam zu unserem nächsten Domizil, dem Seminaris Seehotel in Potsdam. Wunderschöne Lage etwas außerhalb von Potsdam, direkt am See mit eigenem Strand und somit keinerlei Problemen beim Anlegen. Dieses Hotel sollte für die kommenden 3 Nächte unser Domizil bleiben und ich denke, alle waren zufrieden: nettes Personal, gutes Essen, zivile Preise.

Am folgenden Tag teilte sich die Gruppe: 12 Teilnehmer entschieden sich für die kurze Tour vom Hotel über den Schwielowsee nach Werder und wieder zurück. Die übrigen 12 Teilnehmer ruderten noch weiter von Werder über weitere Seen und den Sacrow-Paretzer-Kanal zurück nach Potsdam.

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Am 7.  August war dann unser ruderfreier Tag und jeder konnte unternehmen, worauf er oder sie Lust hatte.

Der vorletzte Rudertag am 08. August führte uns dann über eine relativ kurze Etappe von Potsdam zur Mittagpause nach Sacrow und über den teilweise recht stürmischen Wannsee nach Berlin-Spandau.

Beim gemütlichen Abendessen trafen wir dann auch Guido vom Ruderverein Friesen in Spandau. Guido kenne ich von mehreren Wanderfahrten der SG Grünau nach Prieros und auf Saale-Unstrut. Guido war dann auch auf unserer Lahn-Wanderfahrt dieses Jahr mit dabei. So konnte er mir auch schon im Vorfeld sehr viele gute Tipps zu unserer Berlin-Umrundung geben, speziell für unsere letzte Etappe von Spandau zurück nach Grünau. Dafür Guido vielen Dank!

Fast 40 km mit 3 Schleusen, zumal ohne Strömung, waren dann doch recht anstrengend. Wir waren pünktlich um 0900 Uhr auf dem Wasser, meisterten alle Kreuzungen und Gabelungen von Gewässern aller Art und erreichten dann planmäßig die Schleuse in Charlottenburg. Dort mussten wir dann allerdings über eine Stunde auf die Schleusung warten. Weiter ging es Richtung Landwehrkanal – mit vielen Möglichkeiten unterwegs die falsche Abzweigung zu nehmen……. Aber die freundliche Frage an Passanten „ geht es hier zum Landwehrkanal „ half eigentlich immer. Und so schlecht war unser Kartenmaterial auch nicht. Durch die Tiergartenschleuse kamen wir unerwartet zügig. Natürlich immer mit Fragen der Schleusenwärter, ob es vielleicht doch nicht ein wenig schneller ginge. Nach der Schleuse kam der enge Teil der Passage mit ganz vielen entgegenkommenden Ausflugsdampfern. Da kann man sich dann als Ruderer immer nur in eine enge Lücke am Ufer zwingen. Mittagspause am Urbanhafen und weiter durch die Unterschleuse – Hubhöhe 20 cm – auf die Spree. Eine kurze Pause gabs dann noch beim Ruderclub Narva auf der Spree und dann ging es auf die letzten 8  km zurück zu unserem Ausgangspunkt bei der Rudergemeinschaft Grünau. Dort erwartete uns bereits Peter Straach und kühle Getränke. Die Boote wurden noch gereinigt und dann gings zu unserer letzten Übernachtung auf dieser Tour ins Teikyo Hotel am Zeuthener See. Leider verlief der Transport nicht ganz reibungslos: der Autoschlüssel für unseren zweiten 9-Sitzer lag in meinem Koffer im Hotel. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Irgendwie kamen wir doch alle ins Hotel, leider teilte sich die Gruppe dann am letzten Abend in 2 Teil. Die eine Hälfte ging zum Italiener, die zweite Hälfte verblieb im Hotel und plünderte dort die Bar und genoss den Abend im Innenhof des Hotels. Iris sorgte dann durch energische Anrufe beim Pizza-Lieferservice dafür, dass auch die im Hotel Verbliebenen nicht verhungerten.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück an den Main und gegen 18.00 Uhr trafen wir wohlbehalten und um einige Rudererfahrungen reicher im Freiweg ein.

Alles in Allem eine interessante Tour durch die deutsche Geschichte, die allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat.

Dann mal schauen, wo uns die nächsten Fahrten hinführen…….

Thomas Hillermann